Schlaganfall – ein Notfall

Denn Zeit ist Gehirn

Bei einem Schlaganfall kommt es auf jede Minute an. Je länger ein Schlaganfall andauert, umso mehr Nervenzellen und Gehirnbereiche können betroffen sein. In schlimmsten Fällen tragen die Bereiche irreparable Schäden davon oder der Patient verstirbt.

Was genau ist ein Schlaganfall?

Bei einem Schlaganfall  kommt es zu Durchblutungsstörungen im Gehirn, welche eine andauernde Störung der Gehirnfunktion nach sich ziehen. Man unterscheidet zwischen zwei Arten von Schlaganfällen: dem ischämischen Schlaganfall und dem hämorrhagischen Schlaganfall.
Der ischämische Schlaganfall oder auch weißer Schlaganfall genannt, wird durch einen Verschluss einer Hirnarterie verursacht. Durch ein Blutgerinnsel wird ein Gefäß verstopft und kann so kein Blut mehr in die darauffolgenden Bereiche des Gehirns transportieren, diese Bereiche erhalten keinen Sauerstoff und keine Nährstoffe mehr und drohen abzusterben. Diese Ursache liegt bei 80% aller Schlaganfälle in Deutschland vor.
Die anderen 20% machen die hämorrhagischen Schlaganfälle aus, auch bekannt als roter Schlaganfall. Bei denen kommt es zu Hirnblutungen, durch geplatzte oder gerissene Gefäße im Gehirn. An einer Stelle im Gehirn tritt Blut aus, die Bereiche werden nicht mehr ausreichend versorgt und der Druck im Gehirn erhöht sich bedrohlich.

Die ischämischen Schlaganfälle müssen innerhalb von 4 ½ Stunden nach Eintreten der ersten Symptome durch Lyse therapiert werden, um weitgehende Schäden zu vermeiden. Bei der Lyse-Therapie werden den Patienten blutgerinnungshemmende Mittel intravenös verabreicht, um den Blutpfropfen zu lösen, der das Gefäß verstopft, durch das nicht ausreichend Blut transportiert werden kann. Zusätzlich ist es möglich den Blutpfropfen mechanisch zu entfernen, durch eine Thrombektomie. Dabei wird durch die Leistenvene ein Mikrokatheter bis zu der Stelle des Gerinnsels im Gehirn geschoben. Ein Stent-Retriever wird dadurch eingeführt, dieser besitzt am Ende ein Drahtnetz. Dieses Netz kann aufgeklappt werden und hat dann einzelne Maschen, in welchen sich das Blutgerinnsel verfängt und von dort heraufbefördert werden kann.
Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall ist die Behandlung deutlich schwieriger. Die Blutung muss gestoppt werden. Dazu kommt der Druck im Gehirn. Oftmals muss eine Entlastungskraniektomie durchgeführt werden. Das heißt die Schädeldecke wird geöffnet und dem Gehirn mehr Platz gegeben.

Mit einem Schlaganfall können vorübergehende oder dauerhafte Verluste der Aktivitäten der betroffenen Bereiche einhergehen. Und so äußern sich auch die Symptome. Diese können sich auf verschiedene Körperbereiche beziehen, je nachdem welcher Bereich vom Gehirn betroffen ist:

  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen
  • Wortfindungsschwierigkeiten
  • Sprachverständnisprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Schluckstörungen
  • Hängende Mundwinkel
  • Schwindel
  • Halbseitige Lähmungserscheinungen
  • Arm- und Beinunbeweglichkeit
  • Taubheitsgefühle
  • Gangstörungen
  • Bewusstlosigkeit

Vielen sind die Symptome eines Schlaganfalls bekannt, allerdings sind auch viele noch unsicher in der Vorgehensweise. Es ist dringend notwendig bei dem Verdacht eines Schlaganfalls sofort den Notruf (112) zu alarmieren.  Nur bei zeitnaher Behandlung kann das schlimmste verhindert werden. In vielen Krankenhäusern gibt es Stroke Units. Das sind besondere Bereiche in Krankenhäusern, die sich auf Schlaganfallpatienten spezialisiert haben. Dort gibt es geschultes Personal, Neurologen und eine intensive Behandlung.

Zuerst muss nach den allgemeinen Maßnahmen, wie Blutdruckmessung, eine Computertomografie durchgeführt werden, um heraus zu finden, welche Art von Schlaganfall vorliegt. Denn nur so kann eine gezielte Therapie eingeleitet werden. Es wäre ein fataler Fehler bei einem hämorrhagischen Schlaganfall Blutverdünnungsmittel zu verabreichen, da diese die Situation verschlimmern würden, die Hirnblutung würde sich schneller ausweiten.

In Deutschland gibt es schätzungsweise 260.000 Schlaganfälle pro Jahr, das sind jeden Tag 712 Schlaganfälle. Der Schlaganfall kann jeden in jeder Situation treffen. Häufig (80%) sind über 60-jährige betroffen, es kann aber auch zu Schlaganfällen bei Neugeborenen, Kleinkindern, Teenagern und jungen Erwachsenen kommen.

Einige große Schlaganfälle kündigen sich durch Vorboten, so genannte transitorisch ischämische Attacken (TIA), an. In solchen Fällen treten die typischen Symptome in abgeschwächter Form schon vor einen Schlaganfall auf.

Es gibt Risikopatienten. Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Embolien, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Bewegungsmangel, schlechte Ernährung, sowie Veranlagung, das Alter und ein ungesunder Lebensstil sind Faktoren, die das Risiko eines Schlaganfalls erhöhen können.

Mittlerweile gibt es einige Neuerungen in Bezug auf Schlaganfälle, neben den Stroke Units in Krankenhäusern werden mobile Stroke Units, besser ausgerüstete Rettungswagen getestet. Nach ersten Ergebnissen könnte man die Zeit vom Eintreffen der Rettungskräfte bis zu den ersten helfenden Maßnahmen halbieren. Denn in den mobilen Stroke Units sind Computertomographien, Laborgeräte und Röntgengeräte vorhanden, zudem ist ein Neurologe mit im Rettungswagen. Die ersten wichtigen Schritte bei der Behandlung eines Schlaganfalls könnten während der Fahrt zum Krankenhaus bereits erledigt werden. Zudem gibt es eine App, die den Betroffenen erste notwendige Hilfe im Notfall bietet. Neben dem FAST-Test, bei dem die Symptome abgeglichen werden nach
Face (Gesicht) Arms (Arme) Speech (Sprache) und Time (Zeit), bis hin zur direkten Weiterleitung an die Notrufzentrale bietet die App nützliches Wissen und Checklisten rund um das Thema Schlaganfall.

Oftmals bleiben nach einem Schlaganfall bleibende Behinderungen zurück. Ein Schlaganfall ist die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Alter. Jedoch können mehrere Monate nach einem Schlaganfall Aktivitäten wieder erworben werden, entweder übernimmt eine gesunde Gehirnpartie die Aufgaben des abgestorbenen Bereichs oder die Bereiche können wiederhergestellt werden und ihre Aktivitäten wieder aufnehmen.

Die Therapie läuft meistens wie folgt ab:
Nach der akuten Behandlung finden frühzeitige Rehabilitationsmaßnahmen während des stationären Aufenthaltes statt. Eventuell wird eine medikamentöse Folgebehandlung angeschlossen, durch Gerinnungshemmer, Bluthochdruckmittel, und Mittel zur Senkung des Blutfettwertes.
Eine Änderung des Lebensstils ist eine weitere Maßnahme, um einem erneuten Schlaganfall entgegenzuwirken, Einschränkung des Zigaretten- und Alkoholkonsums, Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Die letzte und ausschlaggebendste Maßnahme ist die anschließende Reha. Hier werden die Patienten von Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten neben ärztlicher Betreuung wieder fit für den Alltag gemacht.

Schlaganfall Infografik

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